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Nachtpanorama vom Bussen
und Situation der Lichtverschmutzung

Oberschwaben, 767 m

Datum:07.04.2026 Uhrzeit:23:32 - 23:53 UTC
Belichtung:10 x 13 s, 11 x 30 s Feld:360o x 180o
Kamera:Lumix S5IIX Optik:18 mm f/2,0 und f/2,8
Ort:Offingen,
Oberschwaben, 767 m
Foto:Till Credner

Der Bussen ist mit 767 m Höhe eine isolierte Erhebung knapp südlich der Donau und der Schwäbischen Alb, auch heiliger Berg Oberschwabens genannt. Damit bietet er einen guten Überblick insbesondere Richtung Süden auf Oberschwaben bis hin zu den Alpen, bei relativ wenig Lichtverschmutzung.

Die Nacht 7. - 8. April 2026 versprach klar zu werden für gute Helligkeitsmessungen des Nachthimmels und Nightscape-Photographie. Der Schlüssel zum Burgturm auf dem Bussen wurde ausgeliehen und gegen halb zehn war ich von Tübingen kommend mit Hund Vika vor Ort. Die Nacht wurde ungewöhnlich trocken und mild bei minimal 12 °C, fühlte sich aufgrund des Windes aber recht kalt an. Das SQM zur kontinuierlichen Messung der Helligkeit im Zenit wurde auf der benachbarten Burgwiese aufgebaut. Auf dem Burgturm wurde zur Dokumentation der Lichtverschmutzung und ihrer Quellen ein einzeiliges Horizontalpanorama mit 85 mm-Teleobjektiv aufgenommen, im Anschluss ein 360° x 180° Vollpanorama mit 18 mm-Weitwinkelobjektiv (s.o.).

Nach Mitternacht näherten sich zwei Personen mit Taschenlampen vorsichtig dem Burgturm, von den Stimmen her wohl Jugendliche oder Kinder. Ich blieb still und benutzte nur gelegentlich schwaches Rotlicht für die Kamerasteuerung, den Turm hatte ich vorsichtshalber eh hinter mir verschlossen. Aber der Hund bellte zwei mal vom Turm runter und schon liefen sie schreiend (!!!) davon, die Armen...

Mit einer zweiten Kamera wurden noch bis nach Mondaufgang Zeitrafferaufnahmen und Einzelphotos der Landschaft inkl. Burgturm und Kirche auf dem Bussen gemacht. Danach Schlüssel wieder abgegeben und nach Tübingen eine Stunde zurück gefahren.

Messergebnisse
Die Himmelshelligkeit im Zenit ging auf dem Bussen bis auf 21,60 mag/arcsecond² herunter gegen 1:40 Uhr MESZ am 8.4.2026 kurz vor dem Mondaufgang. Am Frühlingshimmel ist keine Milchstraße in Zenitnähe, und Spuren von Airglow waren auch nicht sichtbar, visuell und fotografisch nicht. 21,60 mag/arcsecond² entspricht einem Unterschied von 0,4 mag/arcsecond² zu einer natürlichen Helligkeit von 22 mag/arcsecond². Damit ist der Zenit um den Faktor 10^(0,4/2,5) = 1,45 aufgehellt, also 45 % heller als eine natürlich dunkle Nacht ohne Lichtverschmutzung. Das ist ein ziemlich guter Wert für Süddeutschland. Wie bei uns üblich nimmt die Helligkeit im Zenit im Laufe der Nacht ab mit stündlich etwa 0,1 mag/arcsecond² (bis kurz vor Mondaufgang).

Quellen der Lichtverschmuzung
Der Bussen liegt direkt am Ort Offingen, welcher jedoch bereits um 23:30 MESZ die öffentliche Straßenbeleuchtung ausschaltet (vorbildlich!). In der Helligkeitskurve des SQMs sieht man dadurch einen plötzlichen Abfall von 0,06 mag/arcsecond². Die hellste sichtbare Quelle von Kunstlicht liegt Richtung Nordosten mit Ehingen inkl. Liebherr-Werk (ca. 20 km entfernt) und Ulm mit dem Industriegebiet Donautal (ca. 40 km). Vor Ehingen gelegen fällt besonders Munderkingen mit seiner hellen, kaltweißen und nicht voll abgeschirmten Straßenbeleuchtung auf, auch nach Mitternacht (10 km). Richtung Ost-Südost leuchtet die Lichtglocke des 18 km entfernten Biberach. Weingarten und Ravensburg im Süden sind dagegen deutlich schwächer. Im Norden gibt es noch die übliche Lichtglocke des Großraumes Stuttgart (74 km) inkl. Reutlingen (45 km), auch bei dieser großen Enfernung. Die genauer identifizierbaren Quellen der Lichtverschmutzung sind eher weniger von der öffentlichen Straßenbeleuchtung, als viel mehr Industriegebiete und diverse Strahler von Gewerbebetrieben, die unachtsam waagerecht in die umliegende Natur abstrahlen und oftmals kalt-weiße Farbe haben, was eine tödliche Staubsaugerwirkung auf Insekten ausübt.

Helle lokale Lichtquellen:

  • Fa. Liebherr, Ehingen
  • Zementwerk Schwenk, Allmendingen
  • Fa. May (Sonnenschirme), Betzenweiler
  • Straßenbeleuchtung Ehingen
  • Straßenbeleuchtung Munderkingen
  • Fa. Puren, Obermarchtal
  • Gewerbegebiet Dürmentingen
  • Straßenbeleuchtung Bad Buchau
  • Fa. Nusser, Neue Energie, Dentingen
  • Fassadenbeleuchtung von Kirche bis kurz nach Mitternacht, Seekirch am Federsee
  • Straßen- und Gewerbebeleuchtung Bad Saulgau

Die Helligkeitsmessungen in Zenitrichtung wurden jede Minute mit einem SQM-LU-DL durchgeführt, Seriennummer 2030.


Kirche

Burgturm

Kirche

Kirche

Obermarchtal
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